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Lack-und Anstrichmittelindustrie gehen die Rohstoffe aus! Lieferverzögerungen an die Kunden drohen.

Die wirtschaftliche Erholung im Jahr 2010 hat auch ihre Schattenseiten. Die steigende Nachfrage nach Spezialchemikalien für die österreichische Lack- und Anstrichmittelindustrie kann nur unzureichend befriedigt werden. Die Folge sind Versorgungsengpässe und Preissteigerungen bei den Vormaterialien, die eine längerfristige Kalkulation kaum mehr möglich machen.

Besonders schwierig ist die Lage nach Aussagen des Fachverbandes der Chemischen Industrie, Berufsgruppe Lackindustrie, beim Weißpigment Titandioxid. Bei „Titanweiß“ handelt es sich um ein ungiftiges, universell einsetzbares Pigment von höchster Deckkraft, das insbesondere bei der Herstellung von weißen Beschichtungen unersetzbar ist. Die Lack und Farbenhersteller mussten in den letzten 9 Monaten mehrere Preiserhöhungen hinnehmen .Die Preiserhöhungen lagen bei 10 % pro Quartal.

Ausmaß und Geschwindigkeit der Preiserhöhungen bei Titanweiß haben viele Unternehmen überrascht. In Schwierigkeiten kommen Hersteller, die an Großhandel und Baumärkte, aber auch an Industrie-und Gewerbekunden liefern.  „Es ist schwer, die Kostenexplosion beim Rohstoffeinkauf durch andere Maßnahmen aufzufangen. Man ist schon froh, wenn man überhaupt Rohstoffe bekommt, um die Produktion aufrechtzuerhalten können“, so ein  Firmenchef.

Krisenbedingt hat auch die petrochemische Industrie Ihre  ohnehin knappen Produktionskapazitäten zur Herstellung von Vormaterialien deutlich gedrosselt und einzelne Werke in den letzten Jahren komplett geschlossen. Jetzt kann die wieder steigende Nachfrage nach Grundchemikalien nicht ausreichend bedient werden.

Bei allen wichtigen Schlüsselrohstoffen stiegen die Preise seit Jänner 2010 im zweistelligen Prozentbereich. Als Beispiele seien genannt:

Epoxidharze 70 %
Melaminharze 60 %
Polyurethane und Acrylharze 40 %
Lösemittel bis zu 40 %

Die durch Umfrage bei den Mitgliedsbetrieben des Verbandes erhobene Rohstoffpreissituation entspricht den Meldungen der International Chemical Industry Service – ICIS-Datenbank. Auch dort werden deutliche Rohstoffverknappungen und zweistellige Rohstoffpreiserhöhungen berichtet.

Die Rohstoffkosten haben für die Lackhersteller eine große Bedeutung, da 50 % der Betriebskosten auf die Rohstoffe entfallen. Erhöhungen der Rohstoffpreise schlagen somit stärker auf den Endpreis des Produktes durch als andere Positionen in der betriebswirtschaftlichen Kalkulation.

Alternative Rohstoffangebote aus China werden von der Industrie mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Es fehlt das Vertrauen in die langfristige Lieferfähigkeit und Qualität. Schon in der Vergangenheit wurden beispielsweise bei Seltenen Erden die Exporte  drastisch gedrosselt, weil sie für die Produktion im Inland benötigt wurden. Bei Titandioxid wird Ähnliches erwartet.

Wien, 16.3.2011

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