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Die Rohstoffengpässe und –verteuerungen der letzten Jahre verdeutlichen die Ressourcenabhängigkeit der Lackindustrie. Auch wenn sich der Rohstoffmarkt langsam stabilisieren dürfte, die Herausforderung bleibt bestehen: Der gesamte Lebenszyklus der Lackprodukte muss im Sinne der Nachhaltigkeit neu geprüft, fossile Rohstoffe müssen durch nachwachsende ersetzt werden. Mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Lackerzeugnisse setzt die heimische Lackindustrie wichtige Schritte, die Vorbild für Europa sind.
Mit der Wirtschaftskrise ging die weltweite Lackproduktion zurück. Das führte dazu, dass wichtige Lack-Rohstoffproduzenten in Amerika und Europa ihre Werke schlossen beziehungsweise die Produktion drosselten. Mit der wirtschaftlichen Erholung 2010 stieg die Nachfrage nach den für die Lack- und Anstrichmittelindustrie essentiellen Rohstoffen wieder an. Engpässe und Preiserhöhungen um bis zu 70 Prozent waren die Folge (z.B. bei Titandioxid, Epoxiharze). Da in der Lackherstellung 50 Prozent der Produktkosten auf Rohstoffe entfallen, gerieten die Margen gewaltig unter Druck.
Rohstoffverknappung zeigt Abhängigkeit
„Langsam dürfte sich der Rohstoffmarkt stabilisieren“, zeigt sich KR Ing. Hubert Culik MAS, Obmann der Berufsgruppe Lackindustrie des Fachverbandes der Chemischen Industrie Österreich (FCIO) vorsichtig optimistisch: „Die Entwicklung der letzten Jahre führt uns unsere Abhängigkeit von den Ressourcen vor Augen. Wir sind gefordert, effizienter mit dem Vorhandenen umzugehen und neue Lösungen für alte Probleme zu finden.“ Damit Lacke die Lebensdauer von Brücken, Fahrzeugen und Gebäuden erhöhen, im Straßenverkehr durch Markierungen für Sicherheit sorgen, Bauten, Möbel oder Schmuckgegenstände verschönern und Lebensmittel schützen, ist ein enormer Ressourceneinsatz notwendig. Dieser reicht von der Erdöl- und Erdgasförderung und den Bergbau über Erdölraffinerien und Produktionswerke chemischer Stoffe bis hin zur eigentlichen Lackproduktion, der Beschichtung und schlussendlich der Entsorgung.
In Nachhaltigkeit investieren
Für Culik hat „sustainable awareness“, die Erhöhung des Bewusstseins für die Nachhaltigkeit, daher oberste Priorität: „Wir müssen unsere Produkte hinsichtlich ihrer Haltbarkeit und ihres gesamten Lebenszyklus – von der Erzeugung der Rohstoffe bis zur Entsorgung der Objekte – neu beurteilen.“ Fossile Rohstoffe müssten auch in der Lackerzeugung durch nachwachsende Rohstoffe, sogenannte „green binders“, ersetzt werden. Intensive Forschung und Entwicklung, verbesserte Logistik, besseres Energie-, Qualitäts- und Umweltmanagement sowie optimiertes Arbeits- und Anlagenmanagement seien dazu nötig.
Österreichisches Umweltzeichen als Vorbild für Europa
Mit der Auszeichnung heimischer Lack- und Anstrichmittelprodukte mit dem Österreichischen Umweltzeichen (einer Kooperation zwischen der Berufsgruppe Lack- und Anstrichmittelindustrie des Fachverbandes der Chemischen Industrie Österreich, dem Lebensministerium und dem Verein für Konsumenteninformation) geht die Lackindustrie bereits in die richtige Richtung. Denn, so Culik: „Das Österreichische Umweltzeichen berücksichtigt neben der Umweltfreundlichkeit eines Produktes auch seine wirtschaftliche und soziale Komponente, also alle drei Säulen der Nachhaltigkeit. Wir möchten diesen hohen ganzheitlichen Standard auch im Europäischen Umweltzeichen verankern, das bis dato ausschließlich die Umweltkomponente betrachtet.“
Wien, 7. Juli 2011