FCIO - Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs1045 Wien, Wiedner Hauptstraße 63
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Deutliche Steigerung bei Menge wie auch im Wert – Steigerung bei wasserbasierenden Systemen um 20 Prozent - Erfreuliche Entwicklung am Exportmarkt, aber weiterhin hohe Belastungen durch Rohstoffpreise – CSR-Leitfaden als Überblick und Hilfestellung zu den Branchenthemen Nachhaltigkeit und Umweltschutz
Nach einer Umsatz- und Mengenstagnation im Jahr 2005 konnte sich die Lackindustrie im Jahr 2006 wieder deutlich erholen. Beim Produktionswert gab es eine Steigerung von 9,2%. Maßgeblich verantwortlich für diese positive Entwicklung war wie in den letzten Jahren der Bereich der Bautenanstrichmittel und Bautenlacke. Zusätzlich konnte ein deutliches Plus im Bereich Industrielacke und eine erfreuliche Entwicklung im „Do-it-yourself“-Bereich verzeichnet werden. Ein Wachstum von 20% bei wasserbasierenden Lösungen ist ein weiteres sehr positives Signal.
Export setzte positiven Trend der letzten Jahre fort
Die Lackindustrie konnte den Export in EU-Mitgliedsländer sowie in die Staaten Osteuropas wie auch schon in den letzten Jahren ausbauen. Eine besonders positive Entwicklung zeigte wertmäßig der Export von Lacken, Anstrichmitteln und Druckfarben in die neuen EU-Länder. Beispielsweise ist der Export in die Slowakei um 23,9% auf beinahe 20 Mio. Euro, nach Rumänien um 28% auf 8 Mio. Euro und nach Ungarn um 4% auf nahezu 20 Mio. Euro gestiegen. Insgesamt gingen etwa 40.000 Tonnen Lacke und Anstrichmittel in die neuen EU-Länder.
Traditionell größter Abnehmer ist weiterhin Deutschland mit 20.000 Tonnen und einer Steigerung um 2,2% auf einen Gesamtwert von 70 Mio. Euro. Großbritannien, Griechenland, Portugal und Spanien zeigten beim Export 2006 eine leicht rückläufige Tendenz.
Rohstoffpreise bremsen wirtschaftlichen Aufschwung
Die Rohstoffpreise stabilisierten sich nach einer starken Steigerung im zweiten Halbjahr 2006 und liegen auch 2007 auf hohem Niveau. Die noch immer ungebremste Rohstoffnachfrage in Asien setzt den Rohstoffmarkt jedoch weiterhin unter Druck und lässt so die Lackindustrie um den erhofften nachhaltigen Aufschwung bangen. Einzelne rohölabhängige Vorprodukte sind in den letzten 24 Monaten deutlich im Preis gestiegen, so z.B. Styrol (um mehr als 100%) und diverse Lösemittel (um mehr als 25%).
Ebenso problematisch ist die Tatsache, dass von Rohstofflieferanten keine langfristigen Zusagen bezüglich Preis und Lieferbarkeit abgegeben werden. Dies belastet naturgemäß die Ertragslage der Lackhersteller, denen es aufgrund des intensiven Wettbewerbs nicht gelingt die Kostensteigerung weiterzugeben.
REACH in der Praxis
Mit 1. Juni 2007 trat nun, nach mehreren Jahren des intensiven Dialogs zwischen der EU und Vertretern der europäischen Lackindustrie, stufenweise die EU-Verordnung REACH (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien) in Kraft.
Das erklärte Ziel von REACH ist erhöhte Sicherheit und Transparenz im Umgang mit chemischen Stoffen. Dazu hat sich die chemische Industrie immer bekannt. Es gilt jedoch, den Balanceakt zwischen umfassender Sicherheit für Kunden und Umwelt sowie Wirtschaftlichkeit zu bewältigen.
Die Praxistauglichkeit von REACH ist noch unklar, da bisher nur das theoretische Grundgerüst steht. Zur Zeit entwickelt die EU verschiedene technische Leitfäden, die als Umsetzungshilfen gedacht sind. Diese stellen aufgrund ihres Umfangs von mehreren tausend Seiten, vor allem klein- und mittelständische Betriebe der österreichischen Lackindustrie vor eine Herausforderung. Der Fachverband unterstützt Unternehmen mit der seit April erhältlichen Broschüre „REACH in der Praxis“. Diese ist eine praxisnahe Hilfestellung und eine gezielte Vorbereitung.
Zusätzlich stellt das zu implementierende Regelwerk GHS (Globally Harmonised System), ein international umzusetzendes Regelwerk zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von chemischen Produkten, einen weiteren Kostenfaktor dar.
Sorge bereitet auch die Entwicklung der neuen Bauproduktenrichtlinie, insbesondere die gerade in Umsetzung befindlichen Bestimmungen zu Umwelt, Hygiene und Gesundheit.
„Wir fordern eine gegenseitige Berücksichtigung der beiden Regelwerke REACH und Bauproduktenrichtlinie, um sinnlose Kostensteigerungen und doppelte Testverfahren zu vermeiden. Die österreichische Lackindustrie spricht sich für ökologisch optimierte und schadstoffarme Produkte im Interesse unserer Umwelt aus“, betont Ing. Günther Berghofer, Obmann der österreichischen Lackindustrie.
CSR-Leitfaden und Leitfaden „Ökologisch optimierte Bautenfarben und Bautenlacke“ als Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz
Mit den beiden Leitfäden setzt die österreichische Lackindustrie ein eindeutiges Signal in Richtung Umweltschutz und Nachhaltigkeit. „Der CSR (Corporate Social Responsibility)-Leitfaden soll speziell kleineren und mittleren Unternehmen als Anleitung dienen, ihre gesellschaftliche Verantwortung gezielt wahrzunehmen und nachhaltig umzusetzen“, unterstreicht Dr. Heinz Leibetseder, Geschäftsführer DuPont Performance Coatings Austria GmbH.
Österreich ist auch hier im europäischen Vergleich Vorreiter: So werden bereits mehr als 50% der österreichischen Lack- und Anstrichmittelproduktion mit wasserverdünnbaren Systemen erzeugt – im Übrigen eine österreichische Innovation, die sich weltweit durchgesetzt hat. Moderne umweltfreundliche Produkte wie lösemittelarme Beschichtungsstoffe zählen mit einer Quote von 30% zu den Exporterfolgen des letzten Jahres. Durch die Substitution von Lösemitteln durch umweltschonende Lacke wie z.B. Wasserlack, Pulverlacke oder High Solids (Lacke mit sehr hohem Festkörperanteil) konnte weiters ein wesentlicher Erfolg punkto Umweltschutz erreicht werden. Die österreichische Lackindustrie wird diesen Weg weiterhin forcieren und auch den erfolgreichen Export moderner umweltfreundlicher Produkte ausbauen.
Aufklärung und Information der Kunden ist in der Lackindustrie unumgänglich:
„Unrealistische Grenzwerte bzw. Stoffbeschränkungen führen zu einer grundlosen und problematischen Verunsicherung. Ziel der Lackindustrie ist es, den nachhaltigen Nutzen von Lacken und Bautenanstrichmitteln darzustellen und realistische Risikoszenarien aufzustellen. Auch mit der klaren Aussage, dass eine Nullemission nicht möglich ist“, resümiert Berghofer.
Lackindustrie als Technologietreiber
Die Entwicklungen bei Lacken und Bautenfarben gehen eindeutig in Richtung Verbesserung der Eigenschaften und Angebot von Zusatzfunktionen. „Schmutzabweisende Lacke, Fassadenfarben mit längeren Renovierungsintervallen oder auch spezielle Solarzelleneffekte wie Strahlungswärmedurchlässigkeit sind als Beispiele zu nennen“, erläutert Komm-Rat Ing. Hubert Culik, Obmann Stellvertreter.
Der Industrie- und Fahrzeuglackbereich setzt auf Entwicklungen im Bereich Self-Healing Beschichtungen, Korrosionsschutzsysteme oder auch Fahrzeuglacke mit schaltbaren Farben.
Zuversicht für das Jahr 2007
Im ersten Halbjahr 2007 setzte sich der positive Trend der österreichischen Lackindustrie fort. Steigerungen von rund 5% beim Export, aber auch erhöhter Importdruck kennzeichneten die ersten Monate 2007. Im ersten Halbjahr wurde ein Wachstum von rund 6% beim Produktionswert erzielt. Eine weitere positive Entwicklung für 2007 wird erwartet.
Über den FCIO
Der Fachverband ist die gesetzliche Interessenvertretung der chemischen Industrie in Österreich und vereinigt über 300 Mitglieder unter einem Dach. Der FCIO fördert die wirtschaftliche Entwicklung, indem er sich bemüht, die Rahmenbedingungen positiv zu beeinflussen. Er begutachtet Gesetze, vertritt die gemeinsamen Interessen seiner Mitglieder gegenüber Behörden, Politik und Öffentlichkeit. Zugleich ist der Fachverband Kollektivvertragspartner und vertritt die Arbeitgeberinteressen der chemischen Industrie gegenüber den Gewerkschaften. Energiepolitik, Forschung & Entwicklung sowie die Förderung der naturwissenschaftlichen Bildung zählen ebenfalls zu wichtigen Themenfeldern der Fachverbandsarbeit im Interesse der gesamten chemischen Industrie. Mehr zum Fachverband der chemischen Industrie Österreichs erfahren Sie unter http://www.fcio.at.
<5. Juli 2007