FCIO - Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs1045 Wien, Wiedner Hauptstraße 63
Tel.: 0590 900 - 3749Fax: 0590 900 - 280schaubmayr@fcio.wko.at
Lackindustrie verbucht starke Auftragseinbrüche in den ersten Monaten 2009 – Rückgänge von bis zu 50 Prozent – düstere Aussichten für 2009 – Exportmotor Osteuropa gerät ins Stottern – neue Regulative als zusätzliche Hürden
Die österreichische Lackindustrie wurde voll von der Wirtschaftskrise erfasst. Einige Unternehmen verbuchen in den ersten Monaten 2009 Rückschläge von bis zu 50 Prozent. Die Aussichten für 2009 sind düster: minus 20 Prozent im Industrielackbereich und minus 5 Prozent im Baubereich. „Die Talsohle ist noch nicht erreicht. Wenn sich der Trend fortsetzt, werden wir nicht darum herumkommen bis Jahresende weitere Rationalisierungsmaßnahmen zu tätigen“, malt Ing. Günther Berghofer, Obmann der Österreichischen Lackindustrie, schwarz.
Erste negative Anzeichen im Jahr 2008: Exportmotor gerät ins Stottern
Die ersten Anzeichen für die negative Entwicklung gab es bereits im Jahr 2008 mit einem Einbruch ab Jahresmitte, der sich im letzten Quartal verstärkte. „Auch wenn im Jahr 2008 ein Wachstum von 6 Prozent im Produktionswert erzielt werden konnte, darf dies nicht über den Rückgang hinwegtäuschen. Das noch positive Ergebnis ist insbesondere auf die Erfolge im ersten Halbjahr 2008 zurückzuführen“, erläutert Berghofer.
Der Exportmotor geriet ins Stottern: Das Gesamtvolumen ist von 2007 auf 2008 von 235 Mio. Euro auf 224 Mio. Euro zurückgegangen – ein Minus von 4,5 Prozent. Die starken Exportsteigerungen in die neuen EU-Länder, die die positive Entwicklung in den vergangenen Jahren vorangetrieben hatten, gingen 2008 deutlich zurück. Beispielsweise sind die Exportwerte in die Tschechische Republik um 11 Prozent, nach Ungarn um 9 Prozent und in die Slowakei um 5 Prozent gesunken. Auch mit dem traditionell stärksten Handelspartner Deutschland gingen die Geschäfte um 2 Prozent zurück. Dieser negative Trend setzt sich auch im 1. Halbjahr 2009 fort, es ist keine Verbesserung der Lage absehbar.
Aktionsplan zur Nachhaltigen Beschaffung: Vereinheitlichung der Kriterien statt „Golden Plating“
„Nachhaltigkeit ja, die einseitige Fokussierung auf ökologische Kriterien in der Praxis ist aber falsch. Es sollten verstärkt auch wirtschaftliche und soziale Aspekte berücksichtigt werden“, kritisiert KommR Ing. Hubert Culik, Obmann-Stellvertreter der Österreichischen Lackindustrie den vom Umweltministerium vorgelegten Entwurf für einen Aktionsplan zur nachhaltigen öffentlichen Beschaffung.
Beispielhaft führt Culik „baubook“ an. Die Internet-Datenbank für nachhaltiges Bauen listet Produkte auf und stuft sie nach Kriterien ein, die stark zu hinterfragen sind. Nachhaltige Produkte sollten sowohl ökologischen Anforderungen entsprechen, aber auch wirksam sein. Dies wird von den derzeitigen Kriterien aber oft nicht genügend berücksichtigt. „Der Verzicht auf biozidhältige Anstriche kann in einigen Bereichen zu erheblich höheren Risken führen als deren Verwendung.
Beispielsweise genannt sei hier die Schimmelpilzproblematik, die durch biozidhältige Anstrichmittel vermieden wird. Schimmelpilze stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar“, stellt Culik fest. Der Fachverband fordert, dass Grenzwerte nur unter Mitwirkung der Industrie und nach wissenschaftlich fundierten Kriterien festgelegt werden. Dabei ist auch die Gebrauchstauglichkeit der Produkte zu berücksichtigen.
Zusätzliche Hürde: Biozid-Richtlinie
Als Belastung empfindet die österreichische Lackindustrie auch die gesetzlichen Regelungen beim In-Verkehr-Bringen von Biozidprodukten. „Diese sind komplex und kostspielig und verursachen enormen bürokratischen Aufwand. Sie bewirken zudem, dass viele Wirkstoffe für Biozid-Produkte wegfallen, die für einen effizienten Gesundheits-, Umwelt- und Materialschutz unverzichtbar sind“, kritisiert Dr. Klaus Schaubmayr vom Fachverband der Chemischen Industrie. Für Holzschutzmittel, die bestimmte Wirkstoffe enthalten, müssen aufwändige und kostenintensive Zulassungsanträge gestellt werden. Diese bürokratischen Regelungen können von kleineren und mittleren Unternehmen praktisch nicht erfüllt werden.
Nano-Technologie: Ausschöpfen der Möglichkeiten statt Überregulierung
Jüngste Forderungen von Konsumentenschützern stimmen die Lackindustrie bedenklich: die verpflichtende Substitution von nanoskaligen Stoffen, die verpflichtende Einführung von Registern für Produkte, die Nanomaterialien enthalten und die verpflichtende Kennzeichnung von Nanomaterialien bei allen Konsumprodukten.
Gerade in der Lackindustrie bietet die Nanotechnologie enormes Potenzial. So können intelligente Lacke, so genannte „smart coatings“, mit wesentlich verbesserten Eigenschaften hergestellt werden. Sie können zum Beispiel antibakteriell, selbstreinigend oder mit UV-Schutz ausgestattet werden. Derartige Innovationen würden durch die Forderungen stark eingeschränkt werden.
„Wir erwarten uns, dass politische Entscheidungen aufgrund von fundierten, wissenschaftlichen Erkenntnissen getroffen werden. Die Mitarbeit dazu bieten wir gerne an. Es muss dabei zu einem fairen Ausgleich zwischen der kommerziellen Nutzung der Chancen und allfälligen, vorsorglich getroffenen Maßnahmen zur Abwehr von Risiken kommen. Jede Überregulierung muss vermieden werden – das wäre das Aus für technologischen Fortschritt“, schließt Culik.
3. Juni 2009